Frankenstein »

»Finis«, schrieb Mary Shelley am 14. Mai 1817 in ihr Tagebuch. Der Frankenstein, zuerst nur als Kurzgeschichte von wenigen Seiten gedacht, war fertig. Percy Shelley verfasste das Vorwort. Nun begann die Suche nach einem Verlag.

Das Buch war aber keineswegs von Anbeginn ein Bestseller. Als im Januar 1818 Frankenstein; or, The Modern Prometheus auf den Markt kam, betrug die Auflage gerade einmal 500 Exemplare. Rund die Hälfte davon ging an öffentliche Bibliotheken, denn Bücher waren teuer. Viele Leser nutzten eine Art jährliche Flatrate der Leihbibliotheken. Deshalb war es üblich, jeden neuen Titel in drei Teilen zu veröffentlichen — so fanden mehrere Leser zugleich ihre Lektüre.
Die Kritiken waren vernichtend. Einzig Sir Walter Scott erkannte die Qualität des Buches. Ihm gegenüber gab Mary sich im Juni als Verfasserin zu erkennen. Percy Shelley, der als Autor vermutet wurde, sei nicht schuld an ihrem »jugendlichen Versuch«.

Nach ein paar Jahren eroberte der Frankenstein die Bühnen. Da Bearbeitungen für das Theater nicht unter das Copyright fielen, verdiente Mary Shelley daran keinen Cent.
Presumption; or, The Fate of Frankenstein von Richard Brinsley Peake machte 1823 den Roman zum moralischen Lehrstück.
Am 28. August besuchte Mary zusammen mit ihrem Vater, ihrem Bruder und einer Freundin die Vorstellung. Sie war begeistert vom Spiel der Darsteller und den eindrucksvollen Bühneneffekten.
Da das Stück großen Erfolg hatte, veranlasste William Godwin sogleich eine neue Ausgabe des Romans in zwei Bänden, sozusagen als »Buch zum Kassenschlager«.

In den folgenden Jahren kamen weitere Fassungen des Frankenstein-Stoffs auf die Bretter, zum Beispiel 1824 das Lustspiel Frank in Steam; or, The Modern Promise to Pay.
Henry M. Milner verlegte die Handlung nach Italien und zeigte 1826 in The Man and the Monster! or, The Fate of Frankenstein erstmals das Labor und die Erschaffung der Kreatur aus Leichenteilen. Sein Monster ist die Verkörperung des vollkommen Bösen.

Fünfzehn Jahre nach der ersten Skizze in Byrons Villa wurde der Frankenstein 1831 als Band 9 in die Reihe der Standard Novels bei Colburn und Bentley aufgenommen. Mary schrieb ein neues Vorwort und berichtete, wie sie im Wachtraum den Schöpfer und seine Kreatur erblickte:
»Ich sah mit geschlossenen Augen den bleichen Jünger der schrecklichen Wissenschaft vor dem Dinge knieen, das er geschaffen. Ich sah das schreckliche Zerrbild eines Menschen ausgestreckt daliegen und dann sich plump, maschinenmäßig regen.«
Mary überarbeitete auch den Text des Romans. — Fasst alle späteren Ausgaben stützten sich auf die Fassung von 1831, die bis zu Mary Shelleys Tod noch mehrfach nachgedruckt wurde. Dann wurde es still um den Roman. Erst als das Copyright abgelaufen war, erlebten der ehrgeizige Doktor und seine Kreatur eine imposante Auferstehung. Nun erschienen fast jährlich neue Ausgaben, 1912 auch die erste in deutscher Sprache.

Auch auf der Bühne blieb das Monster erfolgreich. Frankenstein: An Adventure in the Macabre von Peggy Webling, uraufgeführt 1927 in Preston, brachte es ab Februar 1930 in London auf 72 Aufführungen. — Auf diesem Stück basierte das Drehbuch von James Whale. Damit begann die Erfolgsgeschichte auf der Filmbühne.

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